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28.12.2022 | Michael Kappes

Grundlagen und Komponenten einer integrierten Planungsplattform - Neue Technologie als Basis für eine neue Art der Planung

Integrierte Planungsplattformen als Basis für eine integrierte Planung (teilweise auch unter dem vom Analystenhaus Gartner eingeführten Begriff „xP&A (extended planning and analysis)“ diskutiert) sind der große Trend der letzten Jahre. Dabei ist integrierte Planung an sich konzeptionell grundsätzlich nichts Neues, allerdings war bis vor einigen Jahren die Abbildung komplexer Planungsmodelle mit den meisten Planungstools eher schwierig. Inzwischen bewirbt fast jeder Anbieter von Planungssoftware sein Produkt damit.

Symbolbild für Integrierte Planungsplattformen

Quelle: Adobe Stock

Für die große Mehrheit der Unternehmen sind integrierte Planungsplattformen aber bislang eher eine Vision; nur wenige können von sich behaupten, schon wesentliche Teile einer integrierten Planungsplattform umgesetzt zu haben. Zu den relativ wenigen Vorreitern gehören u. a. BAYER, Swiss Re, Grünenthal oder AXA. Es werden aber jährlich mehr und mittelfristig dürfte für alle größeren Unternehmen daran kein Weg vorbeiführen. 

Wie kann man eine integrierte Planungsplattform charakterisieren? Eine solche Planungsplattform integriert sowohl die langfristige-strategische mit der kurzfristig-operativen Sicht als auch die funktionale mit der finanziellen Steuerung. Die Basis bilden ein unternehmensweit standardisiertes Datenmodell und moderne BI-Technologie. 

Prozessualer Kern ist der Finanz-Forecast, der mit der funktionalen Steuerung, insbesondere dem Vertriebs-­Forecast bzw. dem sog. Sales&Operations Plan (S&OP) sowie der Personalprognose verbunden wird. Ergeben sich Veränderungen z. B. auf einem Absatzmarkt oder kommen neue Mitarbeiter in einem Bereich dazu, so wird das in dem dafür zuständigen funktionalen Fore­cast erfasst und schlägt sich durch die Integration direkt im Finanz-Forecast nieder.                ­

Dabei haben alle relevanten Unternehmensbereiche (z. B. Vertrieb, Operations, R&D etc.) Zugang zur Plattform, um ihre Daten zu pflegen und für Entscheidungen zu nutzen. Das im Unternehmen vorhandene Wissen über die Zukunft wird (zumindest sofern relevant) in ein durchgängiges Modell überführt und für alle nutzbar gemacht. Durch die direkte Eingabe und die Verknüpfung der Teilpläne entsteht quasi in Echtzeit immer wieder ein aktualisierter Forecast (teilweise auch mit dem englischen Begriff „standing estimate“ bezeichnet). 

Ergänzt wird der integrierte kurz- bis mittelfristige Fore­cast um eine mittel- bis langfristige Simulations­anwendung. Diese ermöglicht eine treiberbasierte Fortschreibung des Forecast-Horizontes, die Simulation unterschiedlicher Entwicklungen sowie die Integration strategischer Veränderungsmaßnahmen. Auf diese Weise ist die Modellierung von Szenarien möglich, allgemein um Entscheidungen zu unterstützen und insbesondere als Basis für die Zielfestlegung. Die Kollaborationsfunktionalitäten moderner Tools ermöglichen hier eine gemeinsame bzw. parallele Modellierung, was Qualität und Effizienz der Entscheidungsfindung erhöht. 

Über diese beiden zentralen Komponenten (integrierter operativer Forecast und strategische Simulation) hinaus, können natürlich weitere Module (inzwischen häufig auch als „Apps“ bezeichnet) in die Plattform integriert werden. Hier ist z. B. an die langfristige Logistiknetzwerk- und Footprint-Planung zu denken oder an das systemgestützte Herunterbrechen von Zielwerten z. B. zur Standardkosten-Ermittlung bis hin zur Berechnung von Boni und Anreizen. 

Bereits die Integration der Prozesse kombiniert mit einer zentralen Datenhaltung beschleunigt die Durchführung von Prognosen und Planungen und erhöht die Qualität der Zukunftsinformationen. Dazu kommt die Möglichkeit einer weitergehenden Automatisierung auf Basis von Vorschlagswerten. Die führenden Planungstools verfügen inzwischen über eingebaute Analytics-Funktionalitäten, die auch ohne weitergehende Statistik-Kenntnisse die Nutzung von Predictive Analytics für den Forecast ermöglichen. Darüber hinaus ist auch die Anbindung spezifischer Server für weitergehende Analytics-Anwendungen möglich. In der Zukunft dürften sich hier die größten Fortschritte ergeben; bis eine solche Plattform allerdings automatisiert komplexere Entscheidungsempfehlungen abgibt, wird noch etwas Zeit vergehen. 

Was sind neben der Prozesslogik und der zugehörigen Methodik weitere Voraussetzungen für die Einführung einer integrierten Planungsplattform? Hier ist an erster Stelle ein standardisiertes, möglichst unternehmensweites Datenmodell zu nennen. Je nach Ausgangssituation kann dies erhebliche Anstrengungen erfordern, wenn bislang mit unterschiedlichen Hierarchien und zweifelhaften Stammdaten hantiert wurde. 

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist die Auswahl der richtigen Technologie. Hier kommen unterschiedliche Tools in Frage; in der Praxis zeigt sich, dass alle Tools Stärken und Schwächen haben, so dass die Auswahl immer unternehmensindividuell und in Abhängigkeit von der Priorisierung der Anforderungen zu sehen ist. Bei den Auswahlkriterien sollten nicht nur die Funktionalitäten des Tools im Vordergrund stehen, sondern auch nicht-funktionale Anforderungen wie Performance bei großen Datenmengen, Skalierbarkeit und Fit mit der zukünftigen Unternehmens-IT-Architektur bis hin zu den Lizenzkosten.

Wie sollte man die Einführung einer integrierten Planungsplattform angehen? Der erste Schritt sollte nicht die Auswahl eines Tools sein, sondern die Entwicklung eines Zielbildes quasi als Leitstern für das Vorhaben. Dabei sollten alle Aspekte Berücksichtigung finden – vom Zusammenspiel der wesentlichen Prozesse bis hin zu technologischen und verhaltensorientierten Aspekten. Entsteht hier ein grobes, aber belastbares Big Picture, so können effizient und entsprechend dem gewünschten Tempo die nächsten Schritte angegangen werden.

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